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Schloßtage 2022 – zum 175. Todesjahr von Fanny Hensel (1805-1847) und ihrem Bruder Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)

Programm Holdenstedter Schlosswoche 2022, im Langhaus Oldenstadt

Das 175. Todesjahr von Felix Mendelssohn Bartholdy und seiner Schwester Fanny Hensel ist uns Anlass, ein außergewöhnliches Programm zusammenzustellen, in dem nur Werke der beiden genialen Geschwister stehen, die zum allergrößten Teil erst nach dem frühen Tod der beiden veröffentlicht wurden – eine Tatsache, die in mehrfacher Hinsicht zu denken gibt. Schon 2005 widmeten sich die Holdenstedter Schlosswochen ausführlich dem viel zu lange übersehenen und unterschätzten Schaffen der Komponistin, Pianistin und Dirigentin Fanny Hensel, hauptsächlich ihrer Kammermusik, ihren Liedern und Klavierwerken. Diesmal stehen neben vielen Liedern (nach Texten von Goethe, Schiller, Eichendorff und Heine) und zwei kleinen Stücken für Violine und Klavier, darunter einer Erstaufführung eines noch ungedruckten Stücks, auch die hinreißenden Duette nach Texten von Goethe (den sie kannte und der für sie eigens ein Gedicht zur Vertonung schrieb) auf dem Programm.

Fanny Hensel hatte die gleiche umfassende musikalische Ausbildung genossen wie ihr frühreifer Bruder, u.a. den Kompositionsunterricht des Goethe-Freundes Carl Friedrich Zelter. Die Geschwister waren einander nicht nur liebevoll zugetan, sondern standen auch zeitlebens in einem für beide Seiten fruchtbaren musikalischen Gedankenaustauch

Über Felix Mendelssohn Bartholdy schrieb Robert Schumann 1840:“Er ist der Mozart des 19. Jahrhunderts, der hellste Musiker, der die Widersprüche der Zeit am klarsten durchschaut und zuerst versöhnt.“ Als ein Komponist in allen Gattungen, als einer der großen Pianisten seiner Generation, als einer der ersten modernen Dirigenten, als Organist, Wiederentdecker älterer Musik (Bach, Händel) und nicht zuletzt als Musikorganisator (seit 1835 Gewandhauskapellmeister in Leipzig, später Generalmusikdirektor in Berlin, Leiter von Musikfesten und Gründer des ersten deutschen Konservatoriums 1843 in Leipzig) prägte er das Musikleben Europas bis zu seinem frühen Tode 1847. An ihn erinnerten wir bei den Holdenstedter Schlosswochen 2009 mit einigen bekannten und gänzlich unbekannten, zu Unrecht vergessenen Werken aus seinem umfangreichen und vielgestaltigen Schaffen. Diesmal steht er als Komponist von Singspielen neben den Liedern und Duetten seiner Schwester, nämlich Ausschnitten aus „Soldatenliebschaft“, dem witzigen und genialen Werk eines 11jährigen (!), das erst 2006 im Druck erschien, als Erstaufführung, und dem zur silbernen Hochzeit der Eltern komponierten Liederspiel „Die Heimkehr aus der Fremde“, bei dessen Uraufführung am 26. Dezember 1829 im Hause Mendelssohn in Berlin unter der Leitung des Komponisten Fanny Hensel die Rolle der Mutter sang.

Im Kammerkonzert am Samstag, dem 20. August, wartet eine weitere Erstaufführung, nämlich der 1834 von Mendelssohn für Maria Malibran und Charles de Bériot komponierten noch ungedruckten italienischen Konzertarie „Infelice“ für Sopran, Violine und Orchester in einer Fassung für Sopran, Violine und Klavier von Joachim Draheim. Daneben sind zwei der drei gänzlich unbekannten großartigen Violinsonaten Mendelssohns zu hören, die einzige zu Lebzeiten gedruckte (f-Moll op.4, 1825) und die brillante Sonate F-Dur aus den Jahren 1838/39), die der  Komponist aus übergroßer Selbstkritik nicht veröffentlichte und die Yehudi Menuhin vor 70 Jahren wiederentdecke und publizierte, die aber erst 2009 in eine textkritischen Ausgabe erschien.

Programm

  • Freitag, 19. August 2022, 19 Uhr (Einführung 18.15 Uhr)
    Opern- und Liederabend
  • Samstag, 20. August 2022, 18 Uhr (Einführung 17.15 Uhr)
    Kammerkonzert
  • Sonntag, 21. August, 18.00 Uhr
    Jazz mit den Shy Boys

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